
Michael Rost aka KemptenSteets
Wer, was und warum?
Eines schönen Tages in den 1980er-Jahren entdeckte ich meine Leidenschaft für die Straße. Genauer: für die bemalte, beschriftete und in jeder Weise kunstbehaftete Straße. Seither liebe ich klassische Street- und Graffiti-Fotografie und fotografiere selbst Streetart überall auf der Welt.
Nach drei Jahrzehnten fast ausschließlich analoger und meist in Schwarz-Weiß gehaltener Fotos wechselte ich ab 2010 auf eine Digitalkamera.
Aber warum überhaupt eine Kamera und keine Schreibmaschine, kein Meißel, kein Pinsel? Weil eine Fotografie nur eine Millisekunde der Realität abbildet und mit diesem einen Bild trotzdem eine ganze Geschichte erzählen kann.
Die Arbeiten von Henri Cartier-Bresson und William Eggleston haben meinen Blick für die Geschichte im Bild maßgeblich beeinflusst. Wie sie will ich mit meinen Bildern das nicht Offensichtliche sichtbar machen, ins Licht rücken. Ich will ihnen eine neue Bedeutung geben, manchmal auch überhaupt erst eine verleihen.
Seit 2004 lebe und fotografiere ich in Kempten. Meine Projekte hier in der Stadt findet man auf Instagram unter KemptenStreets.
2010 begann ich, die Graffiti in der Bahnhofsunterführung zu fotografieren, um etwas eigentlich Unmögliches zu tun: die Vergänglichkeit dieser Kunst festzuhalten. In einem Bild.
Im Lauf der Jahre entstanden Freundschaften zu Graffitikünstlern aus Kempten und der näheren Umgebung. Und auch ich selbst bin zum Streetart-Künstler geworden. Mit meinen Aktionen „ART NEEDS MORE SPACE“ mache ich darauf aufmerksam, dass in Kempten mehr Flächen für Graffiti und Streetart bereitgestellt werden müssten.
Meine Fotografien sind keine Postkarten. Nicht geschönt, nicht unbedingt gefällig, aber immer eine Einladung. Ich lade mein Publikum ein, die Welt neu zu entdecken, aus einem anderen Blickwinkel auf Gegenwart, Geschichte und das Bild der anderen zu blicken.
So sind in den letzten Jahren neben kooperativen Zines mehrere, teils großformatige Bildbände zum Thema Straßenfotografie, Graffiti und Lost Places entstanden.
Was man in meinen Fotografien findet, ist immer zur Hälfte ungefilterte Realität, zur Hälfte individuelle Betrachtung – und damit zu mindestens 100 Prozent Kunst.
So eine Rechnung geht natürlich nur auf, wenn man die Straße mitdenkt. Wenn alle, die malen, schreiben und sich künstlerisch ausdrücken, Teil der Straße, Teil des Bildes, Teil der Geschichte werden. Und wenn es Menschen gibt, die diese Geschichten kennenlernen wollen.
In diesem Sinne: Go, have a look, enjoy – become part of the story … become part of the art!